«In Bern wird viel in die Attraktivität als Forschungsstandort investiert»

30.09.2019 | Bern

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Was sind die Besonderheiten in der Region Mitte-West?

Wie bei vielen anderen Dingen in der Schweiz schwingt auch bei Bauprojekten die Mentalität eines Kantons, einer Region mit. In meiner Region kommt zusätzlich noch die Sprach- und Landesgrenze hinzu. So ist es ein riesengrosser Unterschied, ob man in Biel baut oder im Berner Oberland. Und in Basel ist es nochmals etwas anders. Meine Region hat eine Scharnierfunktion, da sie den Übergang zwischen der Deutsch- und Westschweiz, aber auch zwischen der Schweiz und Deutschland bildet.

Immer wenn von Mentalitäten die Rede ist, sind Klischees nicht weit. Ich denke, Sie ahnen, was jetzt kommt. Geht es einfacher, wenn Zürcher mit Zürchern, Berner mit Bernern usw. sprechen?

(Lacht) Wir Berner sprechen in Meetings tatsächlich etwas langsamer. Deswegen denken immer alle, wir seien gemütlich. Aber wir müssen zweifellos genau gleich viel liefern wie andere auch. Denn mit Gemütlichkeit hat noch keiner ein Gebäude realisiert. Bei HRS gibt es im Projektmanagement keine Unterschiede von Region zu Region. Die Verpackung ist einfach ein wenig anders. In Bern ist ein Berner zuvorderst, der mit seinem Gegenüber auch Berndeutsch spricht. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ja, es geht ein bisschen einfacher, wenn man die Mentalität des Gegenübers versteht.

Was sind aktuell die Marktthemen in Ihrer Region?

Zurzeit haben wir viele Projekte für Produktionsbetriebe im Bereich Technologie, wie den Erweiterungsbau für die Comet AG in Flamatt oder den Neubau der GF Machining Solutions in Biel. Mich freut es sehr, zu sehen, wie regionale Technologieunternehmen mit ihren innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten am Weltmarkt Erfolg haben.
In der Stadt Bern spüre ich eine Sturm-und-Drang-Phase bei Bauprojekten im Bereich Forschung. Ein gutes Beispiel dafür ist das kürzlich von HRS fertiggestellte «sitem-insel». In Bern wird momentan viel in die Attraktivität als Forschungsstandort investiert.
Ganz klar ist Sport auch immer ein Thema. Da durften wir mit der Stockhorn Arena in Thun, der PostFinance Arena in Bern und der Tissot Arena in Biel drei wunderbare Projekte realisieren.

Wie sieht es mit Wohnbauprojekten aus?

Städte wie Bern und Basel wachsen unaufhaltsam. Der Wohnraum wird immer knapper. Wohnungsbau ist und wird so mehr und mehr zum Thema. Wir haben zurzeit zwei tolle Projekte in Steffisburg. Gemeinsam mit der Genossenschaft Migros Aare und der Einwohnergemeinde von Steffisburg haben wir auf dem Gschwend-Areal ein Projekt entwickelt. Eine moderne Überbauung mit einem attraktiven Mix aus Wohnen, Einkaufen, Büro, Ateliers und Gastronomie. Das andere Projekt ist eine Wohnüberbauung im alten Dorfkern von Steffisburg rund um das Restaurant Bären.

Innentwicklung und Verdichtung: Wie stark beschäftigen Sie diese Themen in der Region Mitte-West?

Ohne Verdichtung geht es heute nicht. Die bebaubare Fläche in der Schweiz ist endlich, und den verfügbaren Platz müssen wir clever nutzen. Darüber sind sich wohl alle einig. Soll aber in der direkten Nachbarschaft ein Hochhaus entstehen, dann ist der Weg zur Einsprache nicht weit. Ganz nach dem Motto: Verdichten ja, aber bitte nicht bei mir. Diese Einstellung betrachte ich sehr kritisch, denn der Trend geht klar in Richtung Siedlungsentwicklung nach innen. Dazu braucht es aber mehr Konsens und weniger Verhinderung. Nur so können wir miteinander Lösungen finden, die nachhaltig sind. Ich denke, bei HRS gehen wir mit gutem Beispiel voran.

Ihre Zukunftsvision? Was wollen Sie mit Ihrem Team in Ihrer Region bewegen?

Wir möchten gerne noch in unserer Region wachsen. Dafür müssen wir uns laufend weiterentwickeln. Dabei setze ich einerseits auf mein Team, das sich mit viel Leidenschaft und Freude in den Projekten engagiert. Anderseits setzen wir auf neue Tools wie beispielsweise BIM, von denen wir uns mehr Effizienz und Nachhaltigkeit erhoffen. Die digitale Entwicklung in meiner Region zu begleiten und zu fördern ist mir ein grosses Anliegen.

HRS gliedert ihre Tätigkeit in 5 Regionen: Mitte-Ost, Mitte-West, Ost, West und Liechtenstein. Wissen Sie, wie es zu dieser einzigartigen Einteilung gekommen ist? Der Einfachheit halber hätte man sich einfach an den üblichen sieben Grossregionen der Schweiz orientieren können.

Das hat sehr viel mit der DNA von HRS zu tun. Lange konzentrierte sich die Geschäftstätigkeit nur auf den Osten. Martin Kull hat aber Potenzial für einen Standort in der Westschweiz gesehen, und so kam es zur Expansion in die französischsprachige Schweiz. Die Schweiz ist zwar klein, hat aber viele unterschiedliche Mentalitäten. Deshalb war es für den Erfolg unabdingbar, dass in der Westschweiz Mitarbeitende aus der Region zum Einsatz kamen, welche die Eigenheiten der Region kennen und – im wahrsten Sinn des Wortes – dieselbe Sprache sprechen. So teilte die Sprachgrenze die HRS in zwei Regionen ein: Deutsch- und Westschweiz; Ost und West.

Durch das organische Wachstum von HRS in der Deutschschweiz konnten nach und nach auch hier Regionen gebildet werden. Nur so konnte HRS die Nähe zum jeweiligen Markt, den regionalen Partnern, den lokalen Behörden und den Kunden garantieren.

Damit die Kommunikationswege kurz bleiben und Entscheidungen schnell getroffen werden können, hat der Verwaltungsrat entschieden, die Schweiz in vier statt sieben Regionen einzuteilen.

Vergleichen oder messen sich die Regionen bei HRS untereinander?

Wir Regionen-Verantwortlichen tauschen uns sehr oft aus und greifen uns gegenseitig unter die Arme. Beispielsweise habe ich in Zürich bei den Vorbereitungen zum Bau des neuen ZSC-Stadions, der Swiss Life Arena, mitgeholfen. So konnte das Team in Zürich vom Know-how profitieren, das ich mir beim Bau der Tissot Arena in Biel angeeignet hatte. Umgekehrt unterstützt mich Zürich zurzeit bei einer kantonalen Bauausschreibung. Natürlich besprechen wir in Geschäftsleitungssitzungen auch immer wieder, wie es uns gelingt, noch effektiver und effizienter miteinander zu arbeiten. Wir betrachten uns nicht als Konkurrenten, sondern als ein grosses Ganzes.

Timo-Lochbrunner

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Timo Lochbrunner Odoni

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Timo Lochbrunner Odoni ist durch und durch Stadt-Berner und Bauspezialist. Schon sein Vater war Architekt. Bei ihm absolvierte er die Ausbildung zum Hochbauzeichner. Später besuchte Lochbrunner Odoni die Berner Fachhochschule in Biel und bildete sich zum Architekten FH weiter. Bei HRS startete er im Januar 2010 als Projektleiter und arbeitete sich dort Schritt für Schritt hoch bis in die Geschäftsleitung. Heute ist er verantwortlich für die Region Mitte-West.